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  Autoglanz-Tacir, Stadt Löhne (Germany)
200.
Gib dich nicht dahin dem Kummer über diese böse Welt!
Denke derer nicht, die drunten schon das Grab umschlossen hält!
Einer Peri-schlanken Schönen ganz geweiht mit Herz und Sinnen
Trachte du, das deines Lebens Tage nutzlos nicht verinnen!

201.
Dies flücht´ge Leben, was verschlägt´s, ob es süß ist oder herbe?
Wer sterben muß, gleich kann´s ihm sein, ob hier, ob dort er sterbe;
Trink Wein! und wenn wir doch einmal zu Grabe gehen sollen,
Nach unserm Tode mag der Mond, solang er Luft hat, rollen!

202.
Gedenk´ ich der Sünden, die ich begangen,
So brennt´s mir im Herzen, mir glühen die Wangen;
Doch reuigen Slaven verzeiht der Herr;
Und wäre härter dort oben Er?

203.
Wenn ich gestorben bin, in unser Weinhaus lenkt
die Schritte noch einmal, ihr Freunde, und gedenkt,
Indes voll alten Weins der Wirt die Gläser schenkt,
Des armen Chijam, den sie in das Grab gesenkt.

204.
Der ich der Weisheit Zelte sonst genäht, nun vom Geschicke,
Das im Zerstören sich gefällt und Morden,
Zerscnitten wurden mir in Gram und Weh des Lebens Stricke
Und sind für nichts versteigert worden.

205.
O Gott, wenn du barmherzig bist, wie das der Gläub´ge von dir sagt,
Was hast den ersten Sünder du denn aus dem Paradies gejagt?
Daß du an fromme Gnade schenkst, nicht nenn´ ich das barmherzig sein;
Wer sich Erbarmer heißen läßt, muß argen Sündern selbst verzeihn.

206.
In der Wüste, wo er wohnte, traf ich einen Menschen an;
Ohne Gott und Glauben war er, ohne Hab´ und ohne Gut,
Kein Gesetz für sich erkennend, Ketzer nicht noch Muselmann -
Ist in dieser Welt und jener einer wohl von gleichem Mut?

207.
Einst am Ende wird vom Leibe dir der Tod die Seele trennen,
Das Geheimnis hinter Gottes Vorhang wirst du dann erkennen;
Doch bis dahin zeche tapfer, wie viel du immer spähst,
Nicht ergründest du, woher du kommst, und nicht, wohin du gehst.

208.
O Schenke, da die Zeit als Mörder auf uns lauert,
So ist´s gewiß, daß lang uns nicht das Leben dauert.
Allein solang nicht unsrer Hand entsinkt der Becher Wein,
Darauf vertraue fest, wird Gott uns gnädig sein.

209.
Wohl hab´ ich durch sündigen Wandel mich gestürzt in verdientes Leiden,
Doch Hoffnung auf meine Götzen hält mich aufrecht, wie die Heiden;
Am Tag, wenn ich sterbe, den Becher mit Wein soll die Geliebte mir reichen,
Und jeden Gedanken an Paradies und Hölle will ich verscheuchen.

210.
Willst unterwerfen du das Weltall deinem Willen,
Wohlan so such´ an Geist und Seele stark zu werden!
Mit einem nur, wie ich, mußt du dein Leben füllen;
Trink Wein und kümmre dich um weiter nichts aus Erden!

211.
Wer falsche Münzen in Umlauf bringt, schwer sollte den man strafen!
Längst hat aus unserem fröhlichen Haus sie weggekehrt der Besen.
Ein Greis kam aus der Schenke und sprach: "Froh bin ich heute gewesen;
Trink Wein auch du! Zeit hast du nachher, im Grabe auszuschlafen!"

212.
Gäb´ es keinen Wein auf Erden, keinen Schall der Irakflöten,
Keine Schenken, o man sollte lieber sich zur Stelle töten!
Auf der Welt, so weit mein Auge sie durchmißt von Ost nach West,
Stich hält nur die Lust beim Becher; keinen Deut wert ist der Rest.

213.
Als meinen Körper Gott aus Lehm erschaffen hat,
Mußt´ im voraus er schon mein Tun und Handeln kennen;
Es war auf sein Geheiß, wenn ich was Böses tat;
Und sollt´ ich nun dafür noch in der Hölle brennen?

214.
Als eine Nachtigall im Gartenhain
Die Rosen schaute und den Becher Wein,
Sprach sie zu mir: "Versäumst du diese Zeit,
O Freund, so holst du nie sie wieder ein."

215.
Ein Götzendiener der Liebe bin ich, kein gläubiger Gottverehrer,
Ich bin ein niederer Erdenwurm, ein König nicht, ein hehrer;
Ich hab´ ein liebegebleichtes Gesicht, von Lumpen sind meine Kleider,
Und Seide sucht man vergebens bei mir - wahr ist das alles, leider!

216.
O funkelnder Wein! so viel laß mich zechen,
Bis sich in den Wesen verwandelt mein Sein
Und alle, die mir begegnen, sprechen:
"Wo kommst du her, o Meister Wein?"

217.
Mag der Saft der Reben immer schäumen mir in vollen Krügen,
Mag zu Frauen, schön wie Huris, mir die Liebe nie versiegen!
Zwar man sagt: "Befehlen wird dir Gott, auf all das zu verzichten;"
Doch, beföhl´ er es, gehorchen wahrlich würd´ ich ihm mit nichten.

218.
Alles Leben hier auf Erden ist nur Trug und hohler Schaum;
Wer kein Tor ist, muß erkennen, daß die ganze Welt ein Traum;
Drum, zum Becher Weines greifend, scheuch hinweg die Wahngestalten
Und die Hirngespinste, welche manchen Geist gefangen halten!

219.
Mit einer heb´ ich den Koran, den Becher mit der andern Hand;
Bald dem erlaubten ist mein Sinn, bald dem Verbotnen zugewandt.
Auf dieser Erde dergestalt, soviel ich es ermessen kann,
Bin ich kein ganzer Ketzer zwar, doch auch nicht völlig Muselmann.

220.
Vom Rausche des Weines ist uns immer benebelt das Haupt,
Der Eintritt in unseren Kreis wird einzig dem Becher erlaubt.
Was mahnt und predigt ihr denn, ihr dummen Asketen? Schweigt!
Wir sind Anbeter der Weins, und er ist in Huld uns geneigt.

221.
Gestern vor der Morgendämmerung, einen Becher in der Hand,
Mir zu seiten eine Schöne, saß ich an des Baches Rand,
Und vom Lichtglanz, den der rote Wein auf einmal rings entzündete,
Ward getäuscht der Stundenrufer, daß er schon den Tag verkündete.

222.
Mein Liebchen - möchte doch so lang ihr Leben dauern, wie mein Gram! -
War wieder huldvoll gegen mich, als heut sie mir vorüber kam;
Sie gab mir einen flücht´gen Blick, doch ging so schnell, wie sie genaht,
Und barg vor allen, daß an mir geübt sie diese Gute Tat.

223.
Heut von Liebe sind wir trunken; in der Andacht höchstem Schwung
Bringen wir im Götzentempel heut dem Weine Huldigung;
Ja, dem Staub der niedern Erde und dem eignen Selbst entkommen,
Zu des ew´gen Heiligtumes Schwelle sind wir aufgeklommen.

224.
Wißt ihr, warum der Hahn im Hof am Morgen jedes Tages kräht?
Ich will euch deuten seinen Ruf, daß ihr ihn rechten Sinns versteht.
Er sagt, daß wieder eine Nacht des Lebens euch verstrichen ist,
Und daß ihr immer noch nichts wißt.

225.
Alle sind wir nun versammelt um der Liebe heil´gen Herd,
Nicht versehrt die Zeit uns ferner oder schafft uns Not und Pein;
Seit den hochgeweiten Becher seiner Liebe wir geleert,
Sind wir alle frei und ruhig, trunken von dem süßen Wein.

226.
Gestern in des Töpfers Werkstatt sah ich hundert Krüge stehn
Und mir war, durch ihre reihen hört´ ich ein Geflüster gehn;
"Selber war ich einst ein Töpfer. - Ich, zum Kruge jetzt verwandelt,
Einst von dir, dem Warenhändler, hab´ ich Krüge eingehandelt."

* 227
Der strebt nach Ruhm und schätzt gering das Heut,
Der nach dem Paradies des ew´gen Lichts;
Du greif zum nächsten Glück, das sich dir beut,
Und achte fernen Trommelschlag für nichts.

228.
Der Gegenwartd nicht denkend, noch an das Vergangene,
Laßt uns beim Trunk, ihr Freunde, der Lust uns weihn,
Damit wir unsere Seele, die arme Gefangene,
Auf kurz von den Fesseln der Vernunft befreien!

229.
Wenn bei Verstand du bist, so such den Rausch im Saft der Reeben!
Laß eingeweihte Trinker dir die wahre Weihe geben!
Doch nein! du bist am Geiste blind! Vergebens ist mein Mahnen;
Der echte Rausch, der selig macht, gelingt nicht den Profanen.

230.
Kein Hügel soll auf meinem Grab sich erheben,
Nein, allen Menschen laßt mich als Vorbild dienen:
Netzt meine Staubesreste mit Saft der Reben
Und formt dann einen Weinkrugdeckel aus ihnen!

231.
Nun fängt die Lust von neuem an, des Predigers Stimme schweigt,
Valet von neuem sagen nun den fünf Gebeten wir;
Wo irgend nur, mit Wein gefüllt, ein Flaschenhals sich zeigt,
Mit unsern Gläsern um ihn her im Kreise treten wir.

232.
Ich lod´re hoch in Liebesgut zu einer jugendlichen Schönen,
Laut spricht mein Herz, allein der Mund bleibt stumm und ringt umsonst nach Tönen.
O Himmel! ist auf Erden je so seltsam was gesehen worden?
Verdurstend, lechzend sitz´ ich da an einen klaren Stromes Borden.

233.
Bevor dereinst aus dem Paradiesefluß
Den Becher mir füllen wird der himmlische Schenke,
Wollt ihr, daß ich an Weinentsagung denke?
Das wäre wider Gottes Vorherbeschluß.

234.
Sieh den Glanz des Weins, o Schenke! sieh des Mondes klares Licht!
Sieh zur Seite mir die Schöne mit Rubinenangesicht!
Nicht von Erdendingen sprich mir, da mein Herz von Liebe brennt!
Bring, um meine Gluz zu löschen, mir das flüss´ge Element!

235.
Du, nach dem die Welt, die ganze, unaufhaltsam strebt und ringt,
Den zu finden so dem Reichsten, wie dem Ärmsten nicht gelingt:
Vor den Augen aller schwebst du, aber alle sind sie blind,
Alle nennen deinen Namen, während taub sie alle sind.

236.
Auf der Erde wie viel Menschen seh´ ich, die in Schlummer liegen!
Unter ihr wie viele, welche schon ins Grab hinabgestiegen
Und im Nichts, der großen Wüste, der Gewesenen wie viel
Sieht mein Auge! o von solchen, die noch kommen, welch Gewühl!

237.
O Schicksal! schlimm auf dieser Welt, schlimm mich gebettet hast du!
Befreie mich! mit Unrecht so mich angekettet hast du!
Hast du von jeher deine Huld den Dummen nur gewährt,
So wisse, ich auch bin so sehr nicht weise noch gelehrt!

238.
Schüfe Gott die Welt aufs neu doch, daß sie nicht der jetz´gen gliche!
Möcht´ er doch mich zuschaun lassen, daß ich sähe, wie er ´s macht!
O daß in des Lebens Buche dann er meinen Namen striche,
Oder bessres Los mir gönnte, als er jetzt mir zugedacht!

239.
Keiner ist, der in der Dinge Urgrund jemals eingedrungen,
Der sich über seines Wesens Grenze je hinausgeschwungen;
Jeden, Lehrer oder Schüler, wenn mein Geist es recht ermißt,
Unzulänglich find´ ich jeden, der vom Weib geboren ist.

240.
Menschen gibt es, die in eitlem Dünkel jeden sonst verachten;
Nach des Paradieses Wonnen richten andre all ihr Trachten;
Aber, wenn der ew´ge Vorhang einst zurückgeschlagen wird,
Wird man schau´n, daß alle fern sich, fern von dir, o Gott, verirrt.

241.
Auf! erheb den Fuß zum Tanze, den wir mit der Hand begleiten!
Laß in Gegenwart der Schönen tanzen, uns beim Klang der Saiten!
Noch nach zwanzig Bechern scheint mir, daß das Leben nicht viel wert ist,
Doch zum Himmel wird die Erde, wenn des sechzigste geleert ist.

242.
Wie lang uns willst du, unwissender Mönch, verfolgen mit deinen Ränken?
Wir sind in ewigem, seligem Rausch, die steten Bewohner der Schenken;
Du heuchelst und betest den Rosenkranz und übst Verleumdung und Tücke,
Indessen, den Becher in der Hand, wir unseren Wonnen gedenken.

243.
Jetzt, wo die Rosen ihre Knospen brechen,
Beim Lied der Nachtigallen laßt uns zechen
Uns und beim Weine, funkelnd wie Rubin,
Für die vergangnen Qualen rächen!

244.
Der Arbeit und der Frömmigkeit den Rücken kehren, das ist gescheit;
Die Zeit verbringen bei schönen Frau´n, die Huld uns gewähren, das ist gescheit;
Verrinnen lassen wir in den Staub die Zeit bald unser Lebensblut,
Darum den BEcher voll Rebenblut zuvor zu leeren, das ist gescheit.

245.
Ich weiß nicht, wer du diesem Sein auf Erden mich erschaffen hat,
Ob es ein guter Himmelsgeist, ob es ein böser Dämon tat;
Das aber weiß ich: heut erquickt mich guter Wein an Leib und Geist,
Und er in weiter Ferne liegt der Himmel, den man dir verheißt.

246.
Auf nun und das Frühlied sing! den Becher voll Weines mir bring;
Was gäb´ es, o mein Idol, auf Erden Besseres wohl,
Wo hunderttausend Herrscher das Rad
Der rollenden Zeit zermalmt schon hat?

247.
Wo sind die Sänger? wo ist der Wein! Geschwinde nun eingeschenkt!
Gesegnet sei mir das Herz, das fromm des Morgentrunkes gedenkt!
Von allem auf dieser Erde sind drei Dinge das Beste, glaubt:
Ein holdes Liebchen, der Morgentrunk und ein weinbenebeltes Haupt.

248.
Allem wohl entsagen kann ich, aber nur dem Trinken nicht,
Denn Ersatz für alles gibt es, nur nicht für den Weinverzicht.
O mein Gott! kann es geschehen, daß ein Muselmann ich werde
Und dem Weingenuß entsage? Nimmerdar auf dieser Erde.

249.
Zu einer Dirne jüngst hört´ einen Mönch ich sprechen:
"Trunksüchtig bist du, Weib, die Frechste von den Frechen!"
Zur Antwort gab sie ihm: "Das bin ich, was du meinst,
Du aber sage, Scheich, bist du auch, was du scheinst?"

250.
Nie war ein Mensch noch sündenlos, ob Weib nun oder Mann,
Da, ohne Sünde zu begehn, man nimmer leben kann.
Wenn du für Böses, das ich tat, mit Bösem mich bestrafst,
Wo ist denn zwischen mir und dir der Unterschied? sag an!

251.
O unverständ´ge Menschen, wollt auf meinen Rat ihr hören,
So laßt euch nicht von dieser Welt und ihrem Tun betören!
Vergeudet euer Leben nicht in törichtem Bestreben,
Nein, sucht den wahren Seelenfreund, das heißt den Saft der Reben!

252.
Dieses rollende Rad des Himmels ist zu unserm Tod verschworen,
Und, sobald´s uns eingeholt hat, Freund, sind du und ich verloren!
Ruh mit mir denn auf dem Rasen! Kurze Zeit nur wird verfließen,
Ach! und über unserm Staube wird ein neuer Rasen sprießen!

253.
Wie du mich gemacht haßt, bin ich! Schon so lange ich lebe, bist
Du mir huldreich; hundert Jahre währte meines Daseins Frist,
Und noch hundert weitre Jahre möcht´ ich leben, um zu sehn,
Ob mein Maß von Sünden, oder dein Erbarmen größer ist.

254.
Ach böser Fastenmond! Hin ist die Zeit, in die wir tranken,
Die Zeit, in der wir an die Brust von schönen Mädchen sanken!
Fast platzen will des Faß vom Wein, den wir nicht trinken sollen,
Und schmachtend sehn die Frau´n uns an, die gern geküßt sein wollen.

255.
Hüte dich, daß nicht die Zecher dich der Nüchternheit bezeihn!
Hüte dich, daß nicht die Weisen Tor dich nennen - trijnke Wein!
Denn - das mögst du wissen - nimmer, magst du trinken oder nicht,
Wenn vorherbestimmt zur Hölle, gehst du in den Himmel ein!

256.
Das Rad der Zeit in seinem ewigen Kreisen
Macht, daß vom Baume des Lebens das Laub uns fällt;
Drum trinke Wein! Gedenke des Spruchs der Weisen:
Wein ist das Gegengift für den Kummer der Welt.

257.
O Rose! blickst du mich doch an wie eine Maid mit holden Mienen!
O Wein, du herzerfreuender, du strahlst gleich flüssigen Rubinen!
O laun´ges Glück! es scheint, du hast dein Antlitz von mir abgewandt,
Und dennoch hab´ ich ehemals wie eine Freundin dich gekannt.

258.
Ganz unwert bin des Himmels ich, und auch die Hölle will mich nicht,
Gott einzig weiß, aus welchem Lehm er mich geknetet haben mag.
Ein Ketzer, ein Verworfener, ein heil- und glaubensloser Wicht,
Nicht denken kann ich, was mit mir geschehen soll am jüngsten Tag.

259.
Wir alle sind verliebt und berauscht; hier in des Schenkwirts Halle
Versammelt sitzen wir im Kreis bei lustigem Becherschalle.
Wir wissen nichts von Bös´ und Gut, von Träumen und Hirngespinsten;
O sucht nur keinen Verstand bei uns, denn trunken sind wir alle!

260.
Meht dünkt ein Zug aus der Flasche mich wert, als aller Erdenruhm,
Als Kobad´s mächtiger Herrscherthron, als Chosrus Königtum;
Mehr wert ist ein Seufzerhauch, der leis vom Munde Verliebter weht.
Als aller Mönche und Derwische Geplapper und Gebet.

* 261.
Einen Duft von dir erhaschte heut mein Herz im Morgenwinde;
Mich alsbald verlassen hat es, daß es dich, Geliebte, finde;
Nicht gedenkt es nun des Kranken weiter, der es einst besessen;
Deiner Art in allem folgend, hat es mich wie du vergessen.

262.
O Jammer! täglich schwindet unser Leben!
Wie vieler Herzen brach schon das Geschick,
Und keiner kam von drüben je zurück,
Von den Geschiednen Nachtricht uns zu geben!

263.
Oft vor dir und mir hienieden ward es Tag und wieder Nacht,
Keine Dauer gönnt die Erde ihren Töchtern, ihren Söhnen,
Drum, wenn deines Fußes Sohle diesen Staub berührt, hab acht!
Sicher war er einst das Auge einer jugendlichen Schönen.

264.
Am Tag, als das rollende Rad des Himmels zu kreisen begann,
Als Jupiter seinen Lauf in den himmlischen Gleisen begann,
Ward schon mein Wesen und Tun vom Schicksal festgestellt;
Was spricht man von Strafe mir denn in einder anderen Welt?

265.
Vom Koran und der heil´gen Nacht mehr sprichst du, als mir lieb;
Schweig! lieber einen Wechselbrief mir auf das Weinhaus gib!
Wird mir auf solchen Brief das Tor der Schenke aufgemacht,
Im selben Augenblick beginnt für mich die heil´ge Nacht.

266.
Da einst ich verlasse die irdische Haus
Und Erde, wie ich gewesen, werde,
Auf, Schenke, was säumst du? diese Erde
Begieße fleißig sie im voraus!

267.
Solchen selbst, auf deren Wissen alle Welt bewundernd schaut,
Deren Geist des höchsten Fluges durch den Himmel sich getraut,
Ja auch ihnen, wenn der Dinge Urgrund sie ergründen wollen,
Wird es schwindeln, und sie wissen nicht mehr, was sie sagen sollen.

268.
Oft wohl denk´ ich, jetzt, da ich noch fröhlich lebe,
Daß es nichts mehr, was ich nicht begriffen, gebe,
Aber bald besinn´ ich mich, daß ich dem Grabe
Nah schon stehe, doch noch nichts begriffen habe.

269.
Das Schicksal ist ein fester Gurt, der unser armes Sein umschließt,
Mehr blut´ge Tränen weinen wir, als Wasser in dem Oxus fließt;
Die Hölle ist ein Funken nur der Qual, in der das Herz uns brennt,
Das Paradies nur ein Moment der Ruhe, der uns wird gegönnt.

270.
Wie lange willst du Götzendienst noch mit dir selber treiben?
Bei diesem Brüten über Sein und Nichts wie lang noch bleiben?
Trink Wein! trink Wein! Am besten ist´s - Gott möge sonst mich strafen! -
Dies Leben, das mit Sterben schließt, im Rausche zu verschlafen.

271.
Da jede Freude von vordem dir bis auf die Erinnrung schwand,
Da dir als wahrer Seelenfreund der Becher Weines einzig blieb,
So hab auch diesen Freund von Herzen lieb
Und laß den Becher niemals aus der Hand!

272.
Tag für Tag umstrickt von dieses Lebens läßt´gen Banden bin ich,
Nie, zufrieden mit den Dasein, blick´ ich auf zum Strahl des Lichts;
Über unser Menschenschicksal, o wie lang, wie lang schon sinn´ ich,
Doch von dieser Welt wie jener immer noch begreif´ ich nichts.

273.
Nicht hoffe heute auf den nächsten Tag!
Ein Tor ist, wer an ihn nur denken mag.
Den Atem nütze, den du een tust,
Denn bald vielleicht stockt deines Herzens Schlag!

* 274.
Du baust auf Hoffnungen, der Allzurasche?
So wisse, sie verwandeln sich in Asche;
Und selbst wenn sie gedeihn, alsbald nach kurzem Schimmer
Wie Schnee im Wüstensand zerrinnen sie für immer.

275.
Ihr Freunde! füllt mir den Becher mit Wein, damit mein Herz nicht darbe!
Schafft meinem blassen Gesicht durch den Wein von neuem Rubinenfarbe,
Und, wenn ihr in Wein gewaschen mich habt, nach meinem letzten Geboten
In einem Sarge von Rebenholz bestattet dereinst den Toten!

276.
O wie schnellen Zugs von dannen zieht die Lebenskarawane!
Schneller flieht die Zeit der Freude, als ich´s glaube, als ich´s ahne;
Drum des Grams nicht will ich denken, welcher morgen auf uns harrt;
Her den Wein! die Nacht entflieht schon; freu´n wir uns der Gegenwart.

* 277.
Lang wurden Irams Garten und Palast
Und Dschemschids Becher von Rubin zu Staube;
Doch manches Lusthaus lädt dich noch zur Rast
Und flüssiger Rubin tropft aus der Traube.

278.
Zu Fasten fühlt´ ich und zu Gebet mich jüngst gedrängt und dachte: vielleicht
Wird nun das ewige Heil von mir, nach dem ich seit lang mich gesehnt, erreicht;
Allein ein Windhauch hat das Gebet alsbald mir auf den Lippen verweht,
Ein halber Weinschluck, eh ich´s gedacht, mein Fasten all zu nichte gemacht.

279.
Hier in der Schenke, mit Wein allein wird hier die Waschung gehalten,
Verloren bin ich nun doch einmal; so bleib es denn auch beim alten!
Bring Wein! bring Wein! der Scham und der Scheu hab´ ich mich doch entledigt,
Und meinem Ruf stellt nichts mehr her, er ist zu tief geschädigt.

280.
Man sagt: Wer nicht sich des Weines enthält,
Der wird in der Hölle bestraft für sein Trinken;
Mag sein, doch der Weinrausch, will mich dünken,
Ist besser als diese und jene Zeit.

* 281.
So viel der Weisen auf Erden auch aufgetreten
Und neue Lehren auf die alten gepfropft,
Man hat sie hinausgeworfen als falsche Propheten
Und ihnen die Münder mit Erde gestopft.

282.
Statt eitles Gerede zu pflegen, kredenzt mir Wein
Und werd´ ich wieder in Erde zerfallen sein,
So formt aus mir einen Ziegelstein
Und in die Wand der Schenke mauert ihn ein!

283.
Einer ist im Himmel droben, der dein Tiefgeheimstes kennt,
Jeden Tropfen deines Blutes, auf dem Haupte dir jedes Haar;
Magst du täuschen auch die Menschen, welche man die klügsten nennt,
Sprich, was nutzt vor dem dein Heucheln, welchem alles offenbar?

284.
Wie schön ist die Erde nun wieder überall!
Die Winde waschen den Staub von den Rosen und Nelken,
Und zu den ermatteten spricht die Nachtigall:
"Erquickt euch nun durch meinen Trank, ihr welken!"

* 285.
Umschlinge, jedes Erdengrams vergessen,
Ein schönes Weib, schlank wie Zypressen,
Eh wieder dich, wie dir vorherbestimmt,
In ihren Arm die Erde nimmt.

286.
Ein Stier ist, der drunten auf seinem Horne die Erde hält,
Ein anderer Stier strahlt hell dort oben am Himmelszelt,
Und o! an die Menge von Eseln denk´ ich mit Grausen,
Die zwischen den beiden Stieren hausen!

287.
Ja, ich trinke Wein, und jeder, der Verstand hat, weiß, mein Zechen
Wird mir nicht in Gottes Augen angerechnet als Verbrechen.
Schon von Ewigkeit her wußte Gott, daß Wein ich trinken würde,
Tränk´ ich also nicht, so würd´ es seiner Weisheit widersprechen.

288.
Ich bin ein Sklave, der sich empört: wie reimt sich das mit deiner Macht?
Bist du das Licht, was lässest du mich verkommen in der Sündennacht?
Und, werden zum Paradies allein die Frommen zugelassen,
Wo bleibt da deine Barmherzigkeit? Das kann mein Geist nicht fassen.

289.
Nichts hat es der Welt genützt, als ich auf die Erde gekommen,
Und, geh´ ich wieder hinweg, wie weiter beklagte sie´s?
Viel hab´ ich geforscht und gelauscht, allein noch von keinem vernommen,
Warum mich zu Leben und Tod das Schicksal hierher verstieß.

290.
Chijam! wie durch einen Vorhang ist das Weltal dir verschlossen,
Aber eines erkennst du, deckt auch Dunkel sonst dein Auge zu:
In der Schöpfung großem Becher, den der ew´ge vollgegeossen,
Einde der Millionen Blasen, die drin schwimmen, nur bist du.

291.
Du bist der Gebieter, du lenkst das Geschick der Lebenden und der Toten,
Das rollende Rad des Himmels kreist allein nach deinen Geboten;
Wohl bin ich schlecht; doch schaltest nich du mit mir nach deinem Gefallen?
Kann einer schuldig auf Erden sein? Bist du nicht der Meister von allen?

292.
Dein göttliches Erbarmen kennt der Fromme nicht, denn er ist blind;
Nicht kennt ein Fremder dich so gut, wie wir, die deine Freunde sind.
Du hast gesagt: "Wer Sünden tut, der soll einst in die Hölle brennen;"
Doch geh! sag einem andern das, nicht solchen, die dich kennen!

293.
Was häufen mir Schätze, was Güter in Massen,
Die alle ein Ziel mir vor Augen sehn,
Das, was wir haben, zurückzulassen
Und selber von dannen zu gehn?

294.
Mit Freunden, statt dich um Gold und Silber zu mühen,
Sei froh beim Weine! noch bist du lebensfrisch,
Bald aber wird dein süßer Odem entfliehen,
Und deine Feinde setzen sich an den Tisch.

295.
Quälende Gedanken machen, daß in Angst das Herz mir klopft,
Daß in jeder Nacht des Auges Zähre auf die Brust mir tropft,
Und in meinem ganzen Wesen stiften sie Verwirrung an,
Daß zu meinem Hirn der Weinrausch selbst den Weg nicht finden kann.

296.
O welche lange, lange Zeit nach uns noch wird die welt bestehn!
Im Wind wird jede Spur von uns, wird unser Name selbst verwehn.
Vor unserer Geburt behalf die Welt ganz gut sich ohne uns,
Und kleine Lücke wird entstehn, wenn wieder wir von dannen gehn.

297.
Dem Sturme, der hinbraust zwischen Trümmern,
Gleicht unser Leben; es währt nur Stunden;
Drum will ich mich nie um zwei Tage kümmern:
Um den, der noch kommt, und um den, der geschwunden.

298.
Nur Grab und Tränen, welche rastlos rinnen,
Gab uns das kurze Weilen auf der Welt;
Nichts, was uns dunkel, ward uns aufgehellt,
Und unter Seufzen gehn wir nun von hinnen.

299.
Früh bei Sonnenaufgang täglich will ich in das Weinhaus gehn,
Mit den heuchlerischen Mönchen soll man dort mich zechen sehn.
Du, der alles weiß, und sei es noch so sehr geheimnisvoll,
Erst mußt du mir Glauben geben, wenn ich zu dir beten soll!


Yakup Icik


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