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Omar Khayyam

1.
Für eine magische Laterne ist diese ganze Welt zu halten,
In welcher wir voll Schwindel leben;
Die Sonne hängt darin als Lampe; die Bilder aber und Gestalten
Sind wir, die dran vorüberschweben.

2.
Wenn in deines Herzens Tiefen nur die Saat der Liebe sprießt,
Gleich ist´s, ob du in Moscheen oder Götzentempeln kniest;
Hast du in das Buch der Liebe deinen Nahmen eingeschrieben,
Nicht mehr denkst du dann an Strafe oder an Belohung drüben.

3.
Wir kaufen alten und neuen Wein, Wein, der das Herz erfreut!
Teil ist uns die Welt mit allem, was drin, für einen einzigen Deut.
Wohin nach dem Tode du gehen wirst, wer kündete dir es je?
Bring Wein mir zu trinken, Wein, und dann wohin du gehen willst geh!

4.
Ihr Töpfer, die emsig den Ton ihr knetet,
Mit Händen ihn klopft, mit Füßen ihn tretet,
Bedenkt doch: was ihr also mißhandelt,
Sind Menschenleiber, zu Erde verwandelt.

5.
Ein armer Verliebter ist, wie ich, einst dieser Krug von Lehm gewesen,
Um Locken einer schönen Maid hat er geseufzt in Liebesharm;
Um einen weichen Nacken ist als Arm
Geschlungen dieser Henkel ehedem gewesen.

6.
Bald, beraubt des Lebenshauches, werden wir dort unten ruhn,
Bald mit Ziegeln decken wird man dein Grab und das meine nun;
Dann, um andrer Menschen Gräber auch mit Ziegeln zu bedecken,
In den Ziegelofen wird man deinen Staub und meinen tun.

7.
Wir kamen zu spät auf diese Welt;
Kaum Mensch sein kann man das nennen;
Satt sind wir, laßt es uns offen bekennen,
Dieses Mahles, das schlecht bestellt.

8.
Über die Religionen sinnen viele und die Glaubenssekten,
Zwischen Zuversicht und Zweifel schwanken andre fort und fort;
Doch ein Ruf wird einst ertönen: "O ihr Geistesnachtbedeckten,
Wißt, der wahre Weg zum Heile liegt nicht hier und liegt nicht dort."

* 9.
Du, der die Schlange uns gesellt in Eden
Und uns umstrickt mit der Versuchung Fäden!
Die Sünden, welche wir begehn im Leben,
Vergib uns, wie wir dir vergeben!

10.
O mein Herz! wenn von des schweren Leibes Last du dich befreist,
Dich empor zum Himmel schwingen wirst du, ein verklärter Geist;
Dann nur mit Beschämung droben, von des Lebens Leid genesen,
Denkst du, daß du ein Bewohner dieser Erde je gewesen.

11.
Wenn Gott die Macht, die selbst er hat, mir gönne,
Die jetz´ge Welt würd´ ich alsbald vernichten,
Und eine andere daraus errichten,
Darin der Mensch nach Wunsche leben könnte.

12.
Ohne meinen Willen hat er mir zuerst das Sein gegeben,
Und mit Staunen und Verwundrung schau´ ich an mein eignes Leben.
Uns zum Kummer aus der Welt dann werden wir hinweggerissen,
Ohne unsres Kommens, unsres Gehens Zweck und Ziel zu wissen.

* 13.
Was? von uns Armen fordert er nun Gold,
Wo er uns Kupfer nur geliehn hat? was?
Ein Darlehn, das wir nie von ihm gewollt,
Heischt er zurück? Ein traur´ger Handel das!

* 14.
Geknetet ward der letzte Mensch schon aus dem ersten Erdenschlamme,
Und anfangs schon das Reis gepflantzt, das später erst erwuchs zum Stamme;
Am Schöpfungstag ward unsre Schuld ins große Rechnungsbuch geschrieben,
Und ohne Nachsicht wird sie einst am jüngsten Tage eingetrieben.

* 15.
Nein! nie werd´ ich aus Furcht vor seines Zornes Falten
Sein ungerechtes Tun als Gnade preisen;
Für feig ja würden mich die Trinkgenossen halten
Und mich hinweg von ihrer Tafel weisen.

16.
Luft ziemt der Jugend und Liebe und Trinkgelag.
Verdorben ward die Welt von der Sintflut Wässern;
So laßt uns sehen, ob es gelingen mag,
Durch Wein die arg verheerte zu verbessern!

17.
Weit lieber mit einer Schönen mag ich im Weinhaus plaudern,
Als ohne sie in den Moscheen beten;
Ja, Gott, ich wage sonder Zagen und Zaudern
Mit diesem Glaubensbekenntniss vor dich zu treten.

18.
Gib einen Fußtritt dem Himmel! laß ab
Von Andacht und Fasten und von Gebet;
Denn keiner der Toten jemals gab
Dir Kunde, wie es da drüben steht.

19.
O Schenke, den Becher, die Zierde der Welt, bring her!
Den Trank, der mit Wonne die Herzen schwellt, bring her!
Den Wein, die Kette, welche in süßer Haft
Die Weisen zugleich und die Toren hält, bring her!

20.
Ich bin der Häuptling aller Weinhausgänger,
Ich der Rebell, der dem Gesetze flucht
Und vor dem Gram, dem grimmen Herzbedränger,
Beim Wein die ganze Nacht durch Rettung sucht.

* 21.
Geschaffen hat den Himmel nur der Mensch durch sein Verlangen;
Die Hölle ist ein Schatten nur, den unsrer Geist vol Bangen
In jenen Abgrund wirft, der bald uns wiederum verschlingt,
Nachdem wir erst vor kurzer Frist aus ihm hervorgegangen.

22.
So viel Herzen such zu fesseln, wie du irgend fesseln kannst!
Glücklich du, wenn du auf Erden einen treuen Freund gewannst!
Minder wert sind hundert Kaabas als ein Herz von guter Art,
Drum nach einem Herzen richte, statt nach Mekka, deine Fahrt.

23.
Begriffe dieses Leben nur von Grund aus unser Geist,
Wohl würd´ er die Geheimnisse des Todes auch erkunden;
Doch wenn du heute, da du noch bei Sinnen bist, nichts weißt,
Was wirst du morgen wissen, wenn die Sinne dir geschwunden?

24.
Ich habe des Daseins Höhen und Tiefen, soviel es der Geist vermag, durchdrungen
Und alles, was irgend das Denken ermißt;
Doch nennt mich Tropf, wofern nicht von allem, wozu der Mensch sich emporgeschwungen,
Das Beste, Höchste der Weinrausch ist!

25.
Heut aus der Schenke sah ich einen Trunknen taumeln
Und von der Schulter ihm den Andachtteppich baumeln.
Ich sprach zu ihm: "O Scheich!, bist du nicht bei Verstand?"
Doch er rief aus: "Trink Wein! die Welt ist eitel Tand."

26.
Nie eine Sekunde, seitdem ich bin, verbracht´ ich anders als trunken;
Heut in der heiligen Kadir-Nacht lieg´ ich zu Boden gesunken;
Ich halte die Brust an den Weinkrug fest, den Mund an den Becher gepreßt,
Bis ich beim Morgenrothe den Wein getrunken bis auf den Rest.

27.
Dieser Himmel, der tyrannisch droben wälzt sein ew´ges Rad,
Gibt es einen, dem des Lebens Mühsal er erleichtert hat?
Nein; doch wo auf seinem Kreislauf er ein blutend Herz gefunden,
Neue Wunden ihm geschlagen hat er zu den alten Wunden.

28.
O mein armes Herz, da täglich neue Trübsal dich zerreißt,
Da in ruhelosem Wandel alles um dich wankt und kreist,
Sprich, warum in diesem Körper, den von neuem - und wie bald!
Zu verlassen dir verhängt ist, nahmst du deinen Aufenthalt?

29.
Grüßt ehrfurchtsvoll von mir den Mohammed,
Und sprecht: "Herr der Lebendigen und Toten!
Sag an, warum erlaubst du den Sorbet
Und hast den reinen, klaren Wein verboten?"

30.
""Dir, Chijam, bietet seinen Gruß der Herr der Toten und Lebend´gen,
Doch, Ignorant, wie mißverstehst du meines Weinverbots Natur!
Erlaubt hab´ ich den Wein für die Verständ´gen
Und ich verbot ihn für die Dummen nur.""

31.
In dieser Welt, wo alles vorbei uns flieht in hurtiger Flucht,
Hab´ ich mit Eifer und emsigem Blick geforscht und herum gesucht;
Und was ich gefunden ist dies: der Mond erbleicht vor deinem Gesichte,
Plump ist, verglichen mit deinem Wuchs, die schlankste Bergesfichte!

32.
Jener, die die Welt geschaffen, in der armen Menschen Herzen
Wie viel Wunden nicht gegraben hat er unter bittern Schmerzen!
O wie viele Locken, welche ambrasüß geduftet haben,
Wie viel Rosenlippen hat er in der Erde Schoß begraben!

33.
O wär´ es nach meinem Willen geschehn
Und dem Geschicke die Macht genommen,
Nie wär´ ich auf diese Erde gekommen,
Noch braucht´ ich wieder hinwegzugehn.

34.
Was von allem Erdenreichtum hab´ ich nun gewonnen? nichts.
Was bedeutet nun die Zeit mir, die dahingeronnen? nichts.
Lustig lodert meines Lebens Fackel, doch, wenn sie erlischt,
Bin ich selber und sind alle die genossnen Wonnen nichts.

35.
Nimm den irdnen Krug, Geliebte, nimm den Becher in die Hand,
Und auf grünen Wiesen wandelnd an der Silberbäche Rand
Denk, wie viele mondgesicht´ge Mädchen, schön wie du, mein Kind,
Krüg´ und Becher hundert Male schon vordem gewesen sind.

36.
Barmherzig und voll Huld ist Gott! für jede Schuld im Leben
Hält er Verzeihung auch bereit; wenn heut ich in der Schenke
Im vollem Rausch des Weines tot zu Boden niedersänke,
Schon morgen meinem modernden Gebein würd´ er vergeben.

37.
Ich weiß, nicht hängt sich des Verständ´gen Geist
An Erdengüter, welche bald verschwinden;
Doch sagt, die ihr mein Trinken mir verweist,
Werd´ ich da drüben eine Schenke finden?

* 38.
Philosophie hat oft genug
Mit "ist" und "nicht ist" mir ins Ohr geklungen;
Doch nie bin ich so weit drin vorgedrungen,
Wie in den Weingefüllten Krug.

* 39.
Laßt einen Tropfen, eh´ das Glas wir leeren,
Uns sprengen auf die sonnverbrannten Auen!
Erquickend wird er auf die Augen deren,
Die drunten tief begraben ruhen, tauen.

40.
O Schicksal! dun wandelst die Welt mir zur Gruft
Und trübst mir jede frohe Sekunde!
Du machst mir bitter den Trank im Munde
Zu zehrender Glut mir die Himmelsluft.

41.
O welche Wonnen im Weinhaus hier der Trank, der Gesang uns spendet!
Wir haben die Kleider, die Seele, das Herz, ja selbst den Becher verpfändet.
Befreit von den Elementen, den vier, in reiner Herzenserhebung
Nicht kennen wir Furcht vor Strafe mehr, noch Hoffnung auf Sündenvergebung.

42.
Meinen tongeformten Becher brach ich gestern nacht entzwei;
Trunken bin ich wohl gewesen, und mir deuchte, einen Schrei
Hört´ ich durch des bechers Scherben, die am Boden lagen, schleichen:
"Deinesgleichen war ich ehmals; morgen bist du meinesgleichen!"

* 43.
Ein Welterobrer Mahmud ist der Rebensaft;
Wie oft sind nicht die glaubenslosen Schwarzen Horden
Der Angst und Sorgen seiner Heldenkraft
Erlegen und in Flucht getrieben worden?

44.
Wenn tot ich bin, so sollt ihr den leib mit Saft der Traube mir waschen;
Anstatt zu beten, preiset den Wein und klirrt mit Gläsern und Flaschen,
Und wenn ihr am jüngsten Tage dereinst mich suchen wollt, ich denke:
Am sichersten findet ihr mein Gebein im Staub am Tore der Schenke.

45.
Wein, den rosenfarb´gen, lieb´ ich, wenn er funkelt in den Gläsern
Bei der Laute sanften Tönen und dem Spiel von Flötenbläsern;
Auch Asteten, Weinverächter lieb´ ich, wenn mit ihrem Treiben
Sie nur hundert Farasangen weit mir stets vom Leibe bleiben.

46.
Gleich geschmolzenen Rubinen gläntzt im Glas des Weines Welle;
Her damit, auf daß ihr Schimmer mir den dunklen Geist erhelle!
Reich, o Schenke, von dem Naß mir, dem sich nichts vergleicht auf Erden,
Daß ich mich aus ihm verjünge, so wie aus der Lebensquelle!

47.
Von wohl siebzig Religionen hör´ ich, die´s auf Erden gibt;
Doch die wahre Religion ist die nur, daß der mensch dich liebt.
Islam, Gottesdienst und Glaube - ferne mag dies Possenspiel,
Diese eitle, stets mir bleiben! Du nur, du nur bist mein Ziel.

48.
Diese alte, morsche Gasthaus, das man auch die Erde heißt,
Das bald tief in Dunkel nachtet, bald mit hellem Lichte gleißt,
Ist ein Abfall nur vom Feste, welches hundert Kön´ge gaben,
Ist ein Grab nur, drin zum langen Schlaf sie hingestreckt sich haben.

49.
Den Töpfer in seiner Werkstatt zu grüßen,
Heut ging ich und fand ihn beim Formen von Töpfen;
Er machte die Ründung aus Bettlerfüßen,
Den Henkel aber aus Königsköpfen.

50.
Frisch nach dem Regen strahlt das Grün auf allen Rasenplätzen;
Wer möchte sich in solcher Zeit am Weingenuß nicht letzen?
Heut freun wir uns an diesem Grün; doch jenes, das dereinst
Auf unserm Grabe sprießen wird, wer wird sich dran ergötzen?

51.
Erblick´ ich ein rosiges Angesicht, gleich fliegt ihm all mein Wesen entgegen,
Erblick´ ich einen Becher mit Wein, gleich fühl´ ich nach ihm die Hand sich bewegen.
O! allen meinen Gliedern fürwahr soll werden, was ihnen gebührt,
Bevor der Tod zurück in das All, aus dem sie stammen, sie führt!

52.
Dieser Wein, der in verschiednen Formen sich den Sinnen weist,
Bald als Saft in Reben flutet, bald in Menschenadern kreist,
Fürchte nicht, daß er verschwinden jemals könne sonder Spur,
Seine Wesenheit ist ewig, seine Formen wechseln nur.

53.
Die Quelle des Lebens sprudelt im Wein,
Und seiner enthalten uns sollen wir?
Nein, muß man durchaus zur Zeit der Fasten enthaltsam sein,
Des Betens, anstatt des Weins, enthalten uns wollen wir.

* 54.
Die Traube kann mit Überzeugungskraft
Die zweiunsiebzig Sekten widerlegen;
Sie ist´s, die reines Gold - Heil ihr und Segen! -
Aus dieses Lebens schlechtem Kupfer schafft.

55.
Den Wein her! ich kann ihn erwarten kaum,
Denn ach! wie währt das Leben so kurz!
Auf! auf! das Glück ist nichts als ein Traum,
Und die Jugend verrauscht wie ein Wogensturz.

56.
Ihr sagt mir: "Morgen hebt er an, der heil´ge Mond der Fasten,
Und in der Schenke darfst du nicht hinfort beim Weine gasten;"
Wohlan denn! heut trink´ ich so viel, daß, selig hingesunken,
Den ganzen Fastenmond hindurch ich lieg´ am Boden trunken.

57.
Du willst, ich soll mit einem Wort dir, was der Mensch ist, sagen?
Ein unglückseliges Geschöpf, belastet schwer mit Plagen,
Auf Erde kurze Zeit hindurch verzehrt er ein´ge Bissen,
Dann bald in Eile wiederum wird er hinweggerissen.

58.
Vergib, o Mufti, wenn ich stolz mich über dich erhebe!
Im Rausch selbst mehr Vernunft als du noch hab´ ich in der Tat.
Nach Menschenblute dürstest du, ich nach dem Saft der Rebe;
Sag an, wer besseren Geschmack da von uns beiden hat!

59.
Ganz vergleichbar ist dein Leib, o Chijam, einem Fürstenzelt;
In dem Leib wohnt deine Seele, die nachher dem Tod verfällt;
Wenn der Fürst das Zelt verlassen, abgebrochen wird´s alsbald;
Neu errichtet dann für neue Wohner dient´s als Aufenthalt.

60.
Was um dem Erdenlauf dich grämst du immerbar?
Du solltest lieber dich an Wein und Liebe laben!
Denn sieh! das Kind, das heut die Mutter erst gebar,
Im Erdenschoße liegt es morgen schon begraben.

61.
Läßt es denken sich?Derselbe, der des Bechers Schönheit schuf,
Wie, ihn wieder zu zerbrechen, sagt mir, findet er Beruf?
Alle diese schönen Köpfe, alle diese zarten Glieder,
Welche Liebe hat sie erschaffen? welcher Haß zerstört sie wieder?

62.
Nun ist der Lenz geschwunden mit der Rose,
Der Jugend schönes Buch zu Ende schon;
Die Nachtigall mit ihrem Liedgekose
Wo kam sie her? wohin ist sie entflohn?

63.
Einrichten magst du dich nach Herzenslust
In diesem wüsten Einkehrhaus als Gast,
Doch denk stets, daß nach wen´ger Tage Rast
Du wieder es verlassen mußt.

* 64.
Wo du auch weilest, nah ist dir das Grab;
Die Lebensblätter fallen rastlos ab;
Ob füß, ob bitter, Tropf´ an Tropfen, glaub,
Verrinnt der Wein des Lebens in den Staub!

65.
Auf dieser Welt, wo neuen Gram uns bringt ein jeder Atemzug,
Was mit dem Atmen mich versönt, ist nur der weingefüllt Krug.
Beim ersten Schein des Morgens drum ergreif das Glas, bevor´s zu spät ist,
Denn manchmal aufgehn wird er noch, wenn unser Odem längst verweht ist.

66.
Da von der Erde vortzugehn verhängt uns o wie bald ist,
Ein Frevel wär´s, entsagten wir der Liebe und dem Zechen.
Tor, ob der Ewigkeit der Welt den Kopf dir zu zerbrechen!
Muß ich hinweg, was kümmert´s mich, ob jung sie oder alt ist?

67.
Einst, wenn zur Fabel ich auf Erden ward
Und von mir selber nichts mehr weiß,
Möcht´ ich als Krug, zu dem mein Staub geformt,
Die Runde machen in der Zecher Kreis.

68.
Das Tor zu öffnen hast nur du die Macht - laß mich denn ein!
Den Weg des Heiles zeige mir, denn du kennst ihn allein!
Nicht einem, der mich leiten will, vertrau´ich mich zur Führung;
Vergänglich sind sie allgesamt; nur du hast ew´ges Sein!

* 69.
Umsonst suchst du den Ew´gen festzuhalten;
Hin durch der Schöpfung Adern treibt
Es ihn in tausenfältigen Gestalten;
Sie wechseln und vergehn; er bleibt.

70.
O du, der Schöpfung Inbegriff, laß ab vom niedern Tand,
Und an Gewinn und an Verlust denk ferner nicht auf Erden!
Empfang den Becher, den dir heut des ew´gen Schenken Hand
Und von den Sorgen dieser Welt und jener frei zu werden!

71.
Einer umgestürzten Schale ist der Himmel zu vergleichen,
Unter der, gebeugt von Leiden, machtlos hin die Menschen schleichen;
Sieh dagegen, wie so zärtlich, einem jungen Brautpaar gleich,
Krug und Becher sich die Lippen gegenseits zu Kuffe reichen!

72.
O Freund, da einmal solches Los das Schicksal dir bestimmt
Und dich nach kurzer Erdenrast von hinnen wieder nimmt,
Erfreu dich ein´ge Tage lang an Blumenduft und Grün,
Eh andre Blumen wiederum aus deinem Staub erblühn.

73.
Fühlst du keine Scham, nach niederm Tand und Reichtum nur zu trachten,
Die Befehle und Verbote des Propheten zu verachten,
Wenn du alle Erdenschätze hättest, was - ich kann´s nicht fassen -
Könntest du mit ihnen machen, als die wiederum verlassen?

74.
Horch! der Muezzin ruft vom Minarete!
Wohlan, ich bin bereit, schenkt Wein mir ein!
Wer möchte solche Stunde durch Gebete
Und Predigthören wohl entweihn!

75.
Man sagt: am jüngsten Tag dereinst wird streng Gericht gehalten
Und droben unsrer Freund wirft dann voll Zorn die Stirn in Falten.
Doch kann wer gut ist Böses tun? Wie läßt sich das verbinden?
Sei ohne Sorge nur! Zuletzt wirst du ihn huldvoll finden.

76.
Ihr sagt, daß für mein Zechen einst mir schwere Strafen drohn,
Und fliehn müss´ ich den Rebensaft, den Feind der Religion,
Doch eben deshalb will erlaubt der Weingenuß mich dünken;
Der Glaubensfeinde blut befiehlt ja der Prophet zu trinken.

77.
Die Welt, jüngst eine Hölle noch, zum Himmel ward sie nun,
Und durch der Fluren Frühlingsgrün rinnt, hell wie Silberfäden,
Der Paradiesesfluß dahin. Laßt mich in diesem Eden
Mit einer Maid, wie Huris schön, auf weichem Rasen ruhn!

78.
Wie lang noch von dieser niederen Welt einatmen willst du den Rauch
Und, brütend über das Sein und das Nichts, die Beute des Kummers sein?
Solang dir der Sinn an der Erde hängt, schafft Gram dir jeglicher Hauch,
Und wenn von ihr du dich abgewandt, erst atmest du Frieden ein.

79.
Oft fühlt mein Herz mit Kummer sich von diesem Käfig eingeengt
Und sieht sich voll Beschämung hier dem niedern Erdenstaub vermengt;
Den Käfig zu zerbrechen dann wohl wandelt mich Verlangen an,
Allein verpönt ist solche Tat, ich weiß, dem frommen Muselmann.

80.
An Rubinnenlippen schwelgend, in der Hand den Becher Wein,
Bei dem Schall der Tamburine sich der Lust der erde weihn,
Wohl ist schön das - aber dann erst, wenn du jedes Band zerrissen,
Das dich an die Erde bindet, glaub! beginnt dein wahres Sein!

81.
Teure, deren Kuß so süß ist, wie des Paradieses Flüsse,
Gib Erlaubnis nicht dem Becher, daß er deine Lippen küsse!
Denn, wenn er sie je berührte, o! in eifersücht´ge Wut,
Meinen Rachedurst zu kühlen, trinken würd´ ich flugs sein Blut.

82.
Sieh, wie der Rosen Knospenkleid zerrissen hat der Morgenwind!
Horch, wie, von ihrem Reiz entzückt, die Nachtigall ihr Lied beginnt!
Ruh zwischen diesen Rosen denn und denk, wie oft dem Erdenschoß
Sie schon entstiegen und dann neu in ihn hinabgesunken sind.

83.
Klag nicht den Himmel dafür an, daß Qual
Und Lust und Weh der Liebe dich durchtoben,
Denn so verliebt wie du, nur tausendmal
Hilfloser, taumelt er dahin dort oben.

84. Wie lieblich wieder nun Alles ward!
Wie zart ist des Rasens duftendes grün! Komm´ laß uns des Frühlungs geniessen,
Doch tritt auf die Halme nicht zu hart,
Denn rosig hat einst das Gesicht geblüht, aus dessen Staube sie sprießen.

85.
Ein Berg selbst tantzte vor Lust, wenn mit Wein er würde begossen,
Und wer den Becher verschmäht, den muß man des Wahnsinns zeih´n.
Den Saft der Renem zu flieh´n, o Frömmler, mich mahnst du verdrossen;
Doch wisse! den Menschen erzieht und bildet zum Guten der Wein.

86.
Diese Großen, die mit ihren Titeln ihren Würden prahlen
Und nach immer neuen streben, schaffen selbst sich nichts als Qualen;
Und dabei zum Lachen ist es, daß sie alle die verachten,
Welche nicht noch solchem eitlen Tande, wie sie selber, trachten.

87.
Laßt trinken uns nun beim Morgenrot! Sagt an, was kann es uns kümmern,
Wenn Ehre und Ruf, dies vergängliche Glas, zu Scherben sich wandeln und Trümmern?
Nichts wünschen laßt auf Erden uns mehr, nein mit den leiblichen Tönen
Der Harfe wollen zufrieden wir sein und den wallenden Locken der Schönen.

88.
Wahren Weisen ziemt es, allem, was nicht Wein ist, zu entsagen;
Höher viel ist, als ein neues Reich, ein Weinschluck anzuschlagen,
Höher viel ein voller Becher, als der Erdenherrscher Throne,
Höher selbst des Weinkrugs Deckel, als Kai Chosrus Königskrone.

89.
Die mit dir leben, bald ruhen sie
Dort unten im Schoß der Erden;
Sei froh denn, und laß den Kummer für die,
die nach dir kommen werden.

90.
Zwei Sekunden währt das Leben nur - geschwind drum, trinke Wein!
Denn die hingefloh´nen Tage, wisse, holst du nimmer ein!
Diesen Untergang von Allem, ahme du ihn nach! sei munter,
Und bei Tag geh wie zur Nachtzeit im Genuß des Weines unter.

91.
Sei immer die Schenke gefüllt mit Zechern,
Die, während sie bechern,
Die Kutten der Mönche und der Asketen
Mit Füßen treten.

92.
Nimm an, du wärst zum Ziel gelangt mit allem Streben - was alsdann?
Nimm an, verronnen wäre dir das süße Leben - was alsdann?
Ich setzte, tausend Jahre schon nach Wunsche hättest du gelebt,
Und weit´re hundert wolle Gott noch Frist dir geben - was alsdann?

93.
Blindheit ist´s, ihr Menschen, daß ihr vor dem Tode bange seit,
Denn erblühen wird aus dem Tode, glaubt mir, die Unsterblichkeit!
Seit mit seinem Wunderhauche Jesus meinen Geist belebt,
Ward ich von dem ew´gen Tode und von der Furcht vor ihm befreit.

94.
Dieser Sünden wegen, Chijam, was in Kummer dich verzehrst du?
Ohne Nutzen dir zu schaffen, solchen Gram im Herzen nährst du?
Sündern nur läßt Gott die Wonne der Vergebung angedeih´n,
Und wenn keine Sünder wären, wem dann sollt´ er wohl verzeih´n?

95.
Wozu auf Erden nur dies Kommen und dies Geh´n?
All´ diese Hoffnungen, die in den Wind verweh´n?
Von so viel Edlen, die in Müh´n sich aufgerieben,
Dann Staub geworden sind, wo ist die Spur geblieben?

96.
Da die Tage unsres Lebens rasch und unaufhaltsam schwinden,
Da, ob morgen wir noch atmen, Keiner uns vermag zu künden,
Laß, o du mein Mond, uns froh sein! Ach der Mond da droben wird
Oft noch um die Erde kreisen, ohne uns auf ihr zu finden!

97.
Im Paradies verheißt ihr mit schwarzäugiger Huris Küsse,
Von Wein und Honig, sagt ihr, sei dort voll das Bett der Flüsse.
Schnell her das Glas! Mehr wert ist mir ein jetziger Genuß
Als eine ganze Million zukünftiger Genüsse.

98.
So viel will ich trinken, daß einst der Duft
Des Weines noch steigt aus meiner Gruft
Und die Zecher, die hin zu dem Grabe wallen,
Berauscht von dem Dufte zu Boden Fallen.

99.
O Schenke, laß flehen uns nicht vergebens!
Komm! zünd uns ein Licht im Dunkel des Lebens!
Sei aus den Krügen uns Wein ins Glas zu schenken bedacht,
Eh´ wieder aus unserem Staub der Töpfer Krüge macht.
Yakup Icik


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